Fach-Exkursion nach Halle
Der Arbeitskreis StadtSpuren vereint die sozialen Wohnungsunternehmen Potsdams, um gemeinsam an Lösungen für die großen städtebaulichen und wohnungspolitischen Herausforderungen unserer Stadt zu arbeiten. Damit diese Zusammenarbeit gelingt, braucht es verbindliche Strukturen, verlässliche Informationen und immer wieder neue Impulse von außen.
Genau dafür hat Projektkommunikation Anfang Dezember eine zweitägige Exkursion nach Halle an der Saale organisiert. Was zunächst als Fachaustausch geplant war, entwickelte sich vor Ort zu einem intensiven Dialog über Energie, Stadtentwicklung und die Vorstellungen von einer sozialgerechten Zukunft.
Andere Städte, andere Lösungen
Unser Besuch startete bei der Bau- und Wohnungsgenossenschaft Halle-Merseburg (BWG), die uns in ihrem Erlebnishaus begrüßte. Die Einrichtung ist bemerkenswert: Unter einem Dach vereint es einen Indoor-Spielplatz auf 2.500 Quadratmetern, eine geradezu abenteuerliche Minigolf-Anlage mit 18 Bahnen in 3D-Blacklight und ein Storage-Angebot. Das Ganze wird von den 30 Mitarbeitenden unter dem Label der Genossenschaft betrieben. Organisatorisch trägt eine Tochter der Genossenschaft das Dienstleistungs- und Freizeitangebot, die nicht nur kostendeckend, sondern – zur Überraschung unserer Exkursionsteilnehmer – sogar gewinnbringend arbeitet. Da wir von Projektkommunikation bereits an der Etablierung von Gemeinschaftseinrichtungen mitwirken durften, können wir in etwa ermessen, welche Arbeit notwendig war, um diese Einrichtung ins Laufen zu bringen. Respekt für die beteiligten Kollegen und Kolleginnen.
Nach diesem unerwarteten Einstieg widmeten wir uns dem eigentlichen Thema unserer Exkursion, der Wärmewende. Hier interessierte uns vor allem die Energieinitiative Halle. Viele Fragen, die uns in Potsdam seit geraumer Zeit beschäftigen, wurden in Halle bereits in Pilotprojekten erprobt oder in strategische Konzepte überführt. Der wohl entscheidende Unterschied ist die partnerschaftliche Zusammenarbeit in der Energieinitiative Halle: In Halle begegnen sich Energieversorger und Wohnungswirtschaft auf Augenhöhe. Grundlage ist die Akzeptanz der gegenseitigen Abhängigkeit: Keiner kann ohne den anderen. Diese Erkenntnis führt unmittelbar zur Öffnung gegenüber anderen lokalen Playern, die essenziell von einer stabilen und bezahlbaren Energieversorgung abhängen. So wirken Hochschul- und Wissenschaftsstandorte, Kliniken und Hotelketten in der Energieinitiative Halle mit. Nicht nur der Energieanbieter und die großen Abnehmer arbeiten hier zusammen, auch wichtige Komponenten der städtischen Infrastruktur kommen hier zusammen.
Dr. Katja Nowak, Leiterin Klimaneutralität und Energiewende beim städtischen Energieversorger EVH GmbH, präsentierte uns Struktur und Ziele des Bündnisses. Mit der Roadmap 2045 arbeitet die Initiative daran, konkrete Projekte auf dem Weg in die Klimaneutralität umzusetzen. Angenehm fiel uns die Gelassenheit auf, mit der das Thema vorgetragen, auf Fragen geantwortet und auch auf zuspitzende Kommentare reagiert wurde. Hier war sich jemand seiner Sache sehr sicher. Im Unterschied zu Veranstaltungen, die wir in Potsdam zu diesem Thema erlebt haben, gab es hier keine Prahlerei und kein Abkanzeln von Fragestellern oder Zweiflern. Unser Fazit: Technologisch scheinen wir in Potsdam schon weiter zu sein als Halle, kulturell sind uns die Hallenser um Jahre voraus.
Auch der zweite Tag bot wertvolle Einblicke: Ein Rundgang durch Halle-Neustadt, begleitet von der GWG Gesellschaft für Wohn- und Gewerbeimmobilien Halle-Neustadt, machte sichtbar, wie unterschiedlich Großwohnsiedlungen auf ähnliche strukturelle Herausforderungen reagieren können. Wir machten uns bekannt mit Lösungswegen und Innovationen, die für unsere Arbeit in Potsdam inspirierend sind. Dabei haben sich die Hallenser mit einigen anderen Aufgaben auseinander zu setzen als die Potsdamer Wohnungsunternehmen. Vor allem sind das Leerstände, wie wir sie in Potsdam nie kennen gelernt haben. Hinzu kommen ruinös heruntergekommene Wohnhäuser inmitten der Großsiedlung, die in der Vergangenheit an namenlose Investoren verkauft worden waren. Und neuerdings sind da auch Begehrlichkeiten des Denkmalschutzes, der einzelne Häuser, aber auch ganze Ensemble unter Schutz gestellt hat.
Reisen bildet
Die Exkursion hat uns vor allem eines gezeigt: Große Herausforderungen lassen sich bewältigen, wenn Menschen sich auf Augenhöhe begegnen, einander zuhören und gemeinsam an einem Strang ziehen. Das gilt besonders für die sozialgerechte Gestaltung der Wärmewende, die nur im Zusammenspiel von Wohnungsunternehmen, Stadtverwaltung, Energieversorgern und Zivilgesellschaft gelingen wird.
Wir als Organisatoren der Reise, sozusagen als Reiseveranstalter, waren verantwortlich für das Programm, die Kontakte und Abstimmungen mit den Gastgebern, Kost und Logis sowie den Transfer unserer Delegation. Unsere wichtigste Aufgabe war die inhaltliche Vorbereitung der Reise, wobei uns die BWG sehr unterstützt hat.