Bauklausur des Arbeitskreises StadtSpuren

Das Ringen um Lösungen für kostengünstigeres Bauen in einer angespannten Wohnraumsituation

Ganz offen reden wir in Potsdam mittlerweile von einer Wohnungsnot. Die Lage ist für die Betroffenen dramatisch, alle wissen es, aber keiner weiß, wie es eigentlich gehen soll. Vor diesem Hintergrund organisierte Projektkommunikation für den Arbeitskreises StadtSpuren am 16. Oktober 2025 eine Bauklausur. In diesem Format wollte der Arbeitskreis mit Vertretern der Verwaltung und der Lokalpolitik zentrale Herausforderungen offen diskutieren und Lösungsansätze gemeinsam entwickeln.

Foto: Josephine Braun

Potsdam steht vor einer der größten wohnungspolitischen Herausforderungen seiner jüngeren Geschichte. Die Nachfrage nach Wohnraum steigt seit Jahren deutlich stärker als das Angebot. Haushalte, die sich vergrößern oder verkleinern wollen, junge Menschen, die ihren ersten eigenen Haushalt gründen, Beschäftigte und Studierende, die nach Potsdam ziehen möchten, sowie Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Sie alle konkurrieren um ein Angebot, das längst nicht mehr ausreicht.

Dass die Lage besonders ernst ist, zeigen Zahlen aus der Wohnungswirtschaft: Allein die ProPotsdam erhält monatlich mehr als 13.000 Wohnungsanfragen, kann jedoch im gleichen Zeitraum nur 40 bis 50 Wohnungen neu vermieten. Das sind 12.950 Absagen und also auch 12.950 Enttäuschungen. Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum betrifft die gesamte Stadtgesellschaft und er ist strukturell.

Bauen unter Druck: Warum Prozesse und Regelungen auf den Prüfstand gehören

Die Bauklausur spiegelte eindrücklich wider, wie stark gesetzliche Vorgaben, lokale Regelungen und kommunale Festsetzungen das Tempo und die Kosten des Bauens beeinflussen. Vertreterinnen und Vertreter aus Wohnungsunternehmen, Verwaltung, Politik und Verbänden diskutierten anhand konkreter Beispiele, wie Planungsrecht, ökologische Anforderungen, Stellplatz- und Spielplatzsatzungen oder auch Festsetzungen in Bebauungsplänen Bauprojekte maßgeblich prägen.

Aus den Beiträgen wurde deutlich, dass selbst gut gemeinte Regelungen, etwa zur Förderung des Holzbaus oder zur Stärkung ökologischer Bauweisen, die Wirtschaftlichkeit von Projekten empfindlich beeinflussen können. Gleichzeitig machten Erfahrungsberichte aus Potsdam und Berlin sichtbar, wie stark Genehmigungsverfahren ins Stocken geraten können, wenn zum Beispiel soziale Erhaltungssatzungen, Detailfestsetzungen oder divergierende Interessenlagen zwischen Planungsträgern hinzukommen.

Foto: Martina Vogel

Der Bau-Turbo: Erweiterte Spielräume, aber kein Ersatz für Wohnungspolitik

Nur wenige Tage nach der Klausur trat am 30. Oktober 2025 die Novelle des Baugesetzbuches in Kraft. Zentraler Bestandteil: der neue § 246e BauGB – der sogenannte Bau-Turbo, der Kommunen ein beschleunigtes Verfahren zur Herstellung von Baurecht ermöglicht.

Mehrere Akteure nahmen die Klausur zum Anlass, um einzuordnen, was der Bau-Turbo leisten kann und was nicht. Während das neue Verfahren einen Zugewinn an kommunalem Handlungsspielraum darstellt, betrifft es ausschließlich die baurechtliche Zulassung. Weder Planungsschritte noch Finanzierung, Bauausführung oder weitere Prüfprozesse werden dadurch automatisch schneller oder einfacher.

Die Diskussion machte deutlich, dass der Bau-Turbo ohne entsprechende Entscheidungen innerhalb der Kommunen keine Wirkung entfalten kann. Er erweitert Möglichkeiten, ersetzt aber keine strategische Wohnungspolitik. Nur wenn vereinfachtes Bauen, effizientere Verfahren und gezielte Förderung zusammenkommen, kann die Stadt den Wohnraumbedarf nachhaltig decken.

Foto: Martina Vogel

Fazit: Gemeinsame Verantwortung für bezahlbaren Wohnraum

Die Bauklausur des Arbeitskreises StadtSpuren zeigte, wie wichtig es ist, die wohnungspolitischen Rahmenbedingungen konsequent mitzudenken. Von der Bauleitplanung über Satzungen bis hin zur Anwendung neuer gesetzlicher Instrumente wie dem Bau-Turbo.

Die Veranstaltung machte deutlich: Schneller und günstiger bauen gelingt nur, wenn Verwaltung, Politik und Wohnungswirtschaft ihre Spielräume gemeinsam nutzen und strukturelle Hemmnisse abbauen.

Das Format zeigte die wohnungspolitisch relevanten Themen auf, strukturiert und in einem zusammenhängenden Problemaufriss zusammengestellt. So entstanden aus verschiedenen Einzelperspektiven ein klarer Blick auf die systemischen Herausforderungen.

Diese koordinierte Aufbereitung war entscheidend, um sichtbar zu machen, dass zahlreiche Verzögerungen und Kostensteigerungen nicht projektindividuell sind, sondern Ausdruck eines überlasteten, komplexen Systems und damit Teil der strukturellen Wohnungsproblematik Potsdams.

Wir von Projektkommunikation sind dankbar, dass wir an solchen wichtigen Fragen mitarbeiten dürfen und vielleicht dabei sind, wenn endlich gemeinsame Lösungswege gefunden werden.

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Josephine Braun

Als Projektmanagerin koordiniert sie den Arbeitskreis StadtSpuren und bringt ihre Expertise in Stadtentwicklung, Beteiligung und Wohnen ein. In der Projektkommunikation navigiert sie souverän durch komplexe Stadtentwicklungsprozesse und wohnungspolitische Diskurse – mit Durchhaltevermögen, Klarheit und strategischem Blick.

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