Wir erleben die Lausitz als lebendige Sportregion.
Die neue Ausgabe des Spreewälders zeigt die Lausitz als lebendige Sportregion. Im Mittelpunkt stehen der neue Spreewald-Sportpark in Lübbenau, bewegende Einblicke in den Vereinsalltag sowie zahlreiche Sommer- und Freizeittipps zwischen Spreewald und Lausitzer Seenland. Für den Spreewälder haben wir in den vergangenen Wochen viele engagierte Menschen getroffen. Menschen, die mit Leidenschaft, Zeit und Herzblut den Sport in ihrer Region prägen. Dabei sind Geschichten entstanden, die weit über Training oder Vereinsarbeit hinausgehen. Sie erzählen von Verantwortung und Momenten, für die sich der Einsatz lohnt. Unser Treffen mit Vivien Kühnel, Trainerin der Spikes, ist eines dieser Beispiele.
Zwei Minuten, für dich sich alles lohnt
Als die Spreewälder-Redaktion Vivien Kühnel bei ihrem Arbeitgeber BEKOTEC GmbH trifft, wirkt alles sehr geordnet. Schreibtisch, Bildschirm, Unterlagen. Ein Arbeitsplatz, an dem Abläufe stimmen müssen. An dem es um Mietverträge geht, um Übergaben, um Zahlen und Fristen. Und doch erzählt dieses Treffen eine andere Geschichte.
Vivien Kühnel, gern aber nur Vivi genannt, ist 28 Jahre alt und arbeitet seit Januar 2025 hier in Lübbenau. Während sie über ihren Job in der Fremdverwaltung spricht, wird schnell klar, dass dieser Alltag nur die eine Seite ist. Die andere beginnt meist dann, wenn viele Feierabend machen. Am Abend steht Vivi in der Halle der TSG, Turn- und Sportgemeinschaft Lübbenau 63 e. V.
Die Cheerleader sind Teil der Handballabteilung der TSG und bei Heimspielen regelmäßig auf der Fläche zu sehen. Drei Mal pro Woche Training, dazu Auftritte, Wochenenden, die selten frei bleiben. Ein zweiter Alltag, der sich nicht einfach einfügt, sondern mitgedacht werden muss.
Vivi spricht darüber ruhig, ohne zu dramatisieren: Eher so, als hätte sie längst ihren eigenen Rhythmus gefunden. Cheerleading begleitet sie seit Kindheitstagen. Es gab Unterbrechungen. Eine Ausbildung, Zeit in Dresden, ein anderer Fokus. Aber nie einen endgültigen Abschied. Irgendwann war sie wieder da. Erst unterstützend, dann als Trainerin.
Heute coacht sie die Jüngsten: Kinder zwischen sechs und zehn Jahren. Sie bringt ihnen Abläufe bei, hält das Team zusammen, reagiert auf das, was gerade passiert. Und sie erlebt, wie schnell sich Dinge verändern können. Am Anfang, sagt sie, stehen oft Unsicherheit und Zurückhaltung. Kinder, die kaum sprechen, die sich nicht trauen, vor anderen aufzutreten. Und dann, einige Wochen später schon, ein Auftritt. Musik setzt ein, die Choreografie läuft und plötzlich ist da etwas anderes. Präsenz. Selbstvertrauen. Stolz. Es sind diese Momente, die für sie zählen.
Wochenlang wird geübt für wenige Minuten: Zwei, vielleicht drei – Danach ist alles vorbei. Und doch bleibt genau dieser Moment. Nicht, weil alles perfekt ist, sondern weil es funktioniert, weil ein Team entsteht. Manchmal passiert das auch unter Druck, wenn kurzfristig etwas geändert werden muss, wenn jemand ausfällt, wenn Dinge nicht so laufen wie geplant. Dann wird improvisiert, unterstützt, zusammengehalten. Und am Ende stehen sie trotzdem gemeinsam auf der Fläche.
Auch abseits des Trainings wächst etwas. Freundschaften, Zusammenhalt, manchmal auch Konflikte. Wenn Kinder die Altersgruppe wechseln, geht es nicht nur um neue Trainingszeiten. Es geht um Beziehungen, um Zugehörigkeit. Vivi beschreibt das ohne große Worte. Aber es wird deutlich, wie wichtig ihr genau das ist. Und sie ist damit nicht allein. Im Trainerteam kann sie sich jederzeit auf die anderen verlassen, Unterstützung ist selbstverständlich. Mehr Verantwortung braucht es für sie nicht. Das, was ist, füllt den Tag bereits gut aus.
Natürlich hat das seinen Preis. Vivi weiß das. Aber sie sieht es nicht als Belastung. Sondern eher wie eine Entscheidung. Und vielleicht ist es genau das, was diesen Alltag zusammenhält. Dass beides nebeneinander bestehen kann: Der strukturierte Arbeitstag bei der BEKOTEC GmbH. Und die wenigen Minuten auf der Bühne, für die sich alles lohnt.